Im Rahmen der Terra Madre Austria 2011, die von 13. – 15. Oktober im Rathaus Wien stattgefunden hat, wurden wieder zahlreiche interessante Geschmacks-Schulungen und Verkostungs-Workshops angeboten.
Für Slow Food Youth Projektmitglieder bzw. Slow Food Jugendmitglieder gab es dafür vergünstigte Karten um € 10,- statt um den regluären Preis von € 15,- für Schüler & StudentInnen.
Im Jahr 2009 hat Slow Food den ersten Terra Madre Day organisiert: über 1000 Veranstaltungen in 120 Ländern bildeten eines der größten Kollektivevents, die je weltweit realisiert wurden, um die Lebensmittelvielfalt zu feiern und das Recht auf gute, saubere und faire Lebensmittel zu proklamieren.
Wieder wurde der Terra Madre Day weltweit begangen und Slow Food Youth Wien lud aus diesem Anlass am Freitag, 19. Dezember 2010, abends ins Projektlokal Hernalser Hauptstraße 49 zum „Terra Madre Day – Potluck”, um Selbstgemachtes gemeinsam zu genießen.
Da der Terra Madre Day 2010 im Zeichen der Unterstützung des Projektes „Tausend Gärten in Afrika“ stand, waren Speisen mit Afrikabezug heuer besonders willkommen.
Im Mittelpunkt stand dabei wie immer der rege Austausch aller Beteiligten und das genussvolle Feiern der Lebensmittelvielfalt.
Arganöl hat in den letzten Jahren wegen seines exquisiten Geschmacks Einzug in die hippen Haubenküchen europäischer Großstädte gehalten. Es eignet sich hervorragend zum Würzen und Verfeinern von Speisen, nebenbei enthält es eine Menge gesundheitsfördernder Stoffe. Umso besser, wenn es auch noch fair gehandelt ist.
Gemeinsam mit dem Weltladen im 8. Bezirk luden wir am 18. November 2010 zu einer Verkostung dieses edlen Öls ein.

Eine kurze Diashow entführte uns direkt an den Ort des Geschehens. Neben einer Vorstellung des Produktes selbst interessierte uns seine Herkunft vom Rand der Wüste in Marokko und die seit Generationen überlieferte Gewinnung durch die Berberfrauen. Partner der EZA ist Targanine, das ist ein Netzwerk von Frauen, die das Öl herstellen und vermarkten.
Hier kommen die Grundsätze von Fairem Handel ins Spiel, sichert er doch den Produzentinnen durch garantierte Preise und gezielte Unterstützung eine lebenswerte Existenz. Und das ist eine Vorraussetzung für den Weiterbestand dieser wertvollen landwirtschaftlichen Tradition. Arganöl aus dem Weltladen ist gut, sauber und fair, ganz im Sinne von Slow Food.

Jutta Ambrositsch hatte uns eingeladen, bei der Lese im Weingarten Sommeregg mitten in Grinzing mitzuhelfen. Dem kamen wir am 30. Oktober 2010 bei wunderbarem Herbstwetter zahlreich und tatkräftig nach.

Im Anschluss an die erfolgreiche Weinlese gab´s dann am Nachmittag eine Jause und Wein gleich im Weingarten mit Blick über Wien!
Die Wiener Quereinstiegs-Winzerin Jutta Ambrositsch produziert seit 2004 auf kleinen, feinen Weingartenflächen in Wiens besten Lagen vorzügliche Weine.
Der steile und wunderschöne Weingarten wurde 1955 mit Gemischtem Satz bepflanzt und wird seit 2005 von Jutta Kalchbrenner bewirtschaftet und rekultiviert. Der Gemischte Satz setzt sich aus etwa 20 verschiedenen Rebsorten zusammen, der Hauptanteil davon ist Grüner Veltliner, aber auch Riesling, Weißburgunder, Neuburger, Gewürztraminer und uralte Rebsorten wie Rosenmuskateller oder Jubiläumsrebe bis hin zur österreichischen Ur-Sorte “Österreichisch Weiß” sind hier noch zu finden.
Der Gemischte Satz ist eine Weißweinspezialität, die so nur in Wien erzeugt wird und hier eine lange Tradition hat, jedoch in den letzten Jahrzehnten fast in Vergessenheit geraten war. Damit diese Besonderheit in ihrer authentischen Form erhalten wird, hat Slow Food den Wiener Gemischten Satz in die Liste der Presidio-Produkte aufgenommen.
Beim klassischen Gemischten Satz werden alle Trauben zusammen gelesen und gepresst – von der einen Rebsorte kommt dann das Aroma, von der anderen die Säure, von der dritten der Körper,… Im Gegensatz zum Cuvée erfolgt die Mischung also schon bei der Lese im Weingarten. Die Lage Sommeregg bringt einen sehr reifen, vielschichtigen Gemischten Satz hervor, der wohl noch längere Zeit überleben wird.

Am Samstag, den 5. Juni 2010 luden wir in Kooperation mit Slow Food Wien zur Verkostung außergewöhnlicher Käsespezialitäten ins Projektlokal Hernalser Hauptstraße 49 ein.

Stephan Gruber, seines Zeichens Vorarlberger Bergkäsespezialist, siehe www.kaes.at, und Finnian Fuhrer von den Schweizer Käsemachern Jumi stellten uns einige Besonderheiten aus Ihrem Repertoire vor und führten durch die Verkostung.
Begleitet wurden die Käsevarianten von Denise Pölzelbauers phantastischem Brot und zwei hervorragenden Weinen vom Weingut Wieninger sowie vom Weingut Wimmer-Czerny aus Fels am Wagram.

JUMI
Finnian Fuhrer präsentierte Käsebesonderheiten des jungen schweizer Unternehmens Jumi aus der Nähe Berns. Die Käsevirtuosen Jürg Wyss und Mike Glauser (JUMI) haben in den letzten Jahren mit Rohmilchkäsevariationen mit den klingenden Namen wie “Après Soleil”, “Konschi reif”, “Aarewasser” oder “Blaues Hirni” auf sich Aufmerksam gemacht. Mit der Kombination aus regional produzierter Rohmilch, traditionellem Wissen und jungen, ausgefallen Ideen lassen sie aus schweizer Bergkäse handwerkliche Käsekunstwerke entstehen.
Bei der Verkostung wurden unter anderen der “Spahn”, ein 12-19 Monate gereifter Rohmilchhartkäse mit würzig, säuerlich kräftigem Aroma aus 3325 m Seehöhe und der “Abe rot”, ein 6 Wochen gelagerter Rohmilchweichkäse mit cremigem Charakter und leichter Note nach gerösteten Haselnüssen vorgestellt. Natürlich durfte auch die “Belper Knolle”, eine Frischkäsekugel im Pfeffermantel, die sich im Laufe der Zeit zum Hartkäse wandelt, nicht fehlen. Für sie erhielt JUMI 2007 den Schweizer Preis für das innovativste landwirtschaftliche Produkt, den “Prix d’innovation agricole”.
Weitere Informationen zu JUMI findet ihr hier.
Stephan Gruber
Sein Interesse an Lebensmitteln und kleinbäuerlichen Strukturen geht bis in seine Jugendzeit zurück. 2002 startete Stephan Gruber den ersten virtuellen Bauernmarkt www.kaes.at, welcher auf eine Vorarlberger Region begrenzt war. Später eröffnete er dann in Zusammenarbeit mit Barbara van Melle einen weiteren virtuellen Bauernmarkt – www.vielfalt.com – für die besten Produzenten. Seit drei Jahren engagiert sich Stephan Gruber als Vorstandsmitglied im Slow Food Wien Convivium.
Zu verkosten gab es Alpkäse 2009 (Jakob Lingg, Bregenzerwald), gereiften Bergkäse (Jodok Felder, Bregenzerwald) und Schafblauschimmel (Weichkäse, 2009er und 2008er! affiniert von Stephan Gruber) sowie Schafcamembert von der Familie Nuart (Mittertrixen, Kärnten).

Der Frühling kommt begleitet von allerlei Grünzeug, das sich sehr gut in der Küche verarbeiten lässt. Um mit Bärlauch, Löwenzahn, Brennessel, Schafgarbe, Sauerampfer, Hopfen und Co kochen zu können, muss man natürlich wissen wie diese Kräuter aussehen und wo man sie finden kann. Darum veranstalteten wir am 17. April 2010 eine fachkundig begleitete Kräuterwanderung und verkochten gleich anschließend gemeinsam das frisch gepflückte Frühlingsgrün.
Wir trafen uns in Grinzing und wanderten den Paula-Wessely-Weg, einen Fußweg entlang des Reisenbergbaches, bis hinauf zur Himmelsstraße.

Am Weg sammelten wir Brennnessel und wilden Hopfen. Bei beidem wurden nur die Triebspitzen gepflückt, die noch zart und wenig faserig sind. Oben angelangt ging es weiter auf die Wiese hinter dem Lebensbaumkreis. Diese wird nicht gedüngt und eignet sich daher zum Kräutersammeln. Hier ernteten wir junge Schafgarbenblätter und Löwenzahn. Letzterer wurde ganz knapp oberhalb des Wurzelstocks abgeschnitten, sodass die gesamte Blattrosette zusammenblieb.

Abschließend füllten wir unsere restlichen Sackerl im angrenzenden Wald mit Bärlauch, der hier aufgrund der Höhenlage noch sehr zart und aromatisch war.
Im Projektlokal Hernalser Hauptstraße 49 machten wir uns ans Werk und bereiteten aus dem gesammelten Frühlingsgrün ein richtiges Festmahl zu.

Den Anfang machte eine köstliche Brennnesselsuppe, gefolgt von Röhrlsalat mit warmen Erdäpfeln, danach Bärlauch- und Schafgarbenpesto an Spaghetti und Gnocchi, und als letzten Gang gab es Spiralnudeln mit angebratenen Hopfenspitzen, die an Spargel erinnerten. Ein eine Woche davor selbstangesetzter Schafgarbenwein mit vermouthähnlichem Geschmack als Aperitif rundete das schmackhafte Wildkräuter-Menü perfekt ab.
Zum Nachkochen gibts hier die gesammelten Rezepte als PDF:
Franz Kaschik ist DER österreichische Pionier im Bereich Bio- und Vollkorn-Brot und -Konditorei. Am 14. April 2010 hieß er uns in seinem Stammhaus in der Rosensteingasse 13, 1170 Wien, zu einer ganz persönlichen Bäckerei-Tour willkommen und weihte uns in die Besonderheiten des Backens mit biologischen Zutaten und in seine Betriebsphilosophie ein.
Nach einer Führung durch die Bio-Demeter-Bäckerei Kaschik inklusive Ausplaudern der Geheimnisse rund um Sauerteigführung und Co. verkosteten wir die phantastischen Brot-Spezialitäten in der Backstube und informierten uns über die Besonderheiten der unterschiedlichen Brotarten.
Die Waldviertler Firma Sonnentor suchte “Testnaschkatzen” für neue Kräuter- und Gewürz-Schokoladen, die gerade in Entwicklung sind. Rund dreißig Schoko-TesterInnen folgten der Einladung und fanden sich am 7. Februar 2010 direkt im Sonnentor-Shop im 3. Bezirk in Wien ein.

Sechs verschiedene Sorten weiße, dunkle und Milchschokolade mit feinen und teilweise ungewöhnlichen Zutaten – wie zum Beispiel Rosenblüten, Erdbeerstückchen, Sesam, kandiertem Ingwer oder Muskat – wurden zum Kosten bereit gestellt.

Die Schokoladen sind wie alle Sonnentor-Produkte zu 100% aus Rohstoffen in Bio-Qualität hergestellt und werden ohne Sojalecithin erzeugt. Unser Feedback war gefragt, um damit zur letzten Verfeinerung der Rezepturen beizutragen, bevor die Schokoladen auf den Markt kommen.

Dem kamen wir mit großem Genuss nach und notierten alle Geschmackseindrücke, Kommentare und Anregungen in Fragebögen. Und manch eineR hat vielleicht seine zukünftige Lieblingsschokolade dabei entdeckt.
